‘Between Peshawar and Paris’ at Galerie Christian Ehrentraut reviewed by Brigitte Wemeburg in Die Tageszeitung 25/06/08 

Brigitte Werneburg schaut sich in den Galerien von Berlin um

​

Der Kniff wirkt nachhaltig. In seinen Gemälden nimmt der schottische MalerMark Sadler(dessen Schau beiChristian Ehrentrautvon Christine Nippe kuratiert wurde) eine Figurenkonstellation, wie er sie in der Öffentlichkeit beobachtet hat, und platziert sie in einen Innenraum. Diese paradoxe Bewegung führt dazu, dass der Betrachter seiner Bilder gar nicht umhin kann, nicht nur zu schauen, sondern auch nachzudenken. Denn die Szene, in der etwa drei prachtvolle afghanische Reiter hoch zu Ross in einer Art Glaspalast Buzkashi, eine regionale Version von Polo, spielen, ist vielfach deutbar. Sie erinnert an die Hagenbeck'sche Völkerschau und die Art, wie bei uns im 19. Jahrhundert außereuropäische Menschengruppen vorgeführt wurden. Sie wirkt aber auch schrecklich modern und zeitgenössisch, weil der grüne Bodenbelag der Halle, der Graben und die darüber gelegten Planken ein ausgebufftes Trainingsgelände darstellen könnten. Und dann scheinen die Reiter - trotz des großen Formats - die Tradition der persisch-orientalischen Miniaturmalerei zu zitieren. "Between Peshawar and Paris" legt wirklich ein komplexes Netz nicht nur nationaler, kultureller und historischer, sondern auch intellektueller und ästhetischer Referenzen aus.

​